VEREINTE NATIONEN

Die Zeitschrift der DGVN informiert sechsmal jährlich über die Tätigkeit der UN • Analysiert die Weltprobleme im Spiegel der Vereinten Nationen • Behandelt Themen wie Friedenssicherung, Nord-Süd, Menschenrechte, Fortbildung des Völkerrechts • u.v.a.m.

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Der Landesverband Bayern der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen

Zu den Gründungsmitgliedern des Landesverbandes Bayern der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen gehörte 1957 neben dem langjährigen Stadtschulrat Prof. Dr. Anton Fingerle auch der damalige Kultusminister Dr. Theodor Mauz (als Vorsitzender des Präsidiums).

Prof. Fingerle, Vorstandsvorsitzender von 1957 bis 1964, war es zu verdanken, dass die Stadt München einen bescheidenen finanziellen Beitrag leistete und zahlreiche größere Veranstaltungen im Rathaus ermöglichte.

Im April 1958, schon bald nach seiner Gründung also, trat der Landesverband mit einer Veranstaltung zum Weltgesundheitstag an die Öffentlichkeit. Dass dieser Bereich zum langjährigen Schwerpunkt der Arbeit des Landesverbandes wurde, war vor allem dem von Prof. Dr. Gerd Poetschke gegründeten und geleiteten "Arbeitskreis für Internationale Gesundheitsfragen" zu verdanken.

Er organisierte Vorträge zu Gesundheitsproblemen von regionaler und überregionaler Bedeutung und betreute ausländische Medizinstudenten in München. Ebenso wichtig wurde der von Dr. Hugo Freud – wie Prof. Dr. Poetschke Vorstandsmitglied der ersten Stunde – gegründete Arbeitskreis Entwicklungsländer. Dr. Freud baute nicht nur ein umfangreiches Archiv über Probleme der Entwicklungsländer auf, das nach seinem Tod in den Hochschulbereich überging, sondern veröffentlichte 1965 auch einen Band mit dem Titel "Der Entwicklungsplan der Vereinten Nationen (Dekadenplan 1960–70)". Obwohl nach dem Ausscheiden von Dr. Freud diese Arbeit zunächst zum Erliegen kam, wurde der gesamte Komplex Entwicklungsländer später zum tragenden Thema der Arbeit des Landesverbandes.

Nach dem Ausscheiden von Prof. Dr. Fingerle wurde der Landesverband von 1965 bis 1969 von Prof. Dr. Poetschke (der später zwischen 1973 und 1974 nochmals Vorsitzender war) und Dr. Rieger, Direktor der Münchner Volkshochschule, geleitet. Die Jahre bis 1968 waren für den Landesverband außerordentlich hart, da eine tragfähige finanzielle Basis für alle Unternehmungen fehlte.

Dass der Landesverband diese "Durststrecke" überlebt hat, ist in erster Linie den beiden Vorsitzenden jener Jahre zu verdanken. Ein merklicher Wandel trat ein, als 1968 die Ausstellung zum Jahr der Menschenrechte zu einem großen Erfolg wurde. Erst jetzt wurde es möglich, für die laufende Arbeit der Gesellschaft eine Geschäftsführerin zu bestellen. In Frau Carola Holenia, in diesem Amt bis 1983 tätig, fand der Landesverband eine Mitarbeiterin, die die Geschäfte nicht nur verwaltete, sondern die Gesellschaft auf allen Ebenen entscheidend mitgestaltete.

Weitere Grundlagen für die Arbeit der folgenden Jahre legte als Vorsitzender von 1969 bis 1973 Dr. Philipp Freiherr von Brand, ehemaliger Protokollchef der Bayerischen Staatskanzlei. Er erreichte, daß die Gesellschaft als gemeinnützig anerkannt wurde und erstmals 1970 aus den Mitteln der Staatskanzlei für ihre laufende Arbeit regelmäßig Zuschüsse erhielt.

In diese Zeit reichen die Kontakte zum Europabüro der Weltbank in Paris zurück. In Kooperation mit der Bayerischen Industrie-und Handelskammer sowie der Landeszentralbank in Bayern wurden seitdem eine Reihe gut besuchter gemeinsamer Vortragsveranstaltungen durchgeführt. Im Jahre 1969 trat Prof. Dr. Nikolaus Lobkowicz dem Vorstand des Landesverbandes bei. Er legte die Fundamente zu einer engen Verbindung mit dem Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München, die die gesamte Arbeit der Gesellschaft von nun an wesentlich prägte. In den folgenden Jahren wurde eine wachsende Zahl von Veranstaltungen organisiert, unter ihnen der Vortrag von Außenminister Walter Scheel im Mai 1973, in dem dieser erstmals öffentlich unter dem Thema "Die Bundesrepublik Deutschland in den Vereinten Nationen" den bevorstehenden Beitritt der Bundesrepublik behandelte; der Vortrag von Botschafter Rüdiger Feiherr von Wechmar im Jahr 1979 mit dem Titel "Die UNO - Fortschritt, Friedensstifter oder Fehlschlag?" ebenfalls 1979, der Vortrag von S.E. Botschafter Luigi Cottafavi, Generaldirektor des Amtes der Vereinten Nationen in Genf, über die Aufgaben der Vereinten Nationen; und – nicht zuletzt – anlässlich der 25-Jahr-Feier des Landesverbandes am 26. November 1982, der Festvortrag von Dr. Joachim Henkel vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen in Genf über "Rechtsschutz für Flüchtlinge in Bewährung". Die Laudatio auf den Landesverband hielt Ministerpräsident a.D. Dr. H.c. Alfons Goppel.

Neue Schwerpunkte in den Aktivitäten des Landesverbandes wurden von Dr. Friedemann Büttner, von 1974 bis 1977 Vorsitzender, sowie von Prof. Dr. Peter J. Opitz gesetzt, der von 1977 bis 1991 den Landesverband leitete. Beide kamen aus dem Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Zusammenhang mit diesem Institut entstanden auf Initiative von Prof. Opitz die Veranstaltungen "UNO-Aktuell" und "UNESCO-Aktuell".

Ab 1974 fanden jährlich ein bis zwei Wochenendtagungen über die Vereinten Nationen und die Entwicklungsländer statt. Die Vorträge wurden in der Schriftenreihe der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit veröffentlicht: 1976 erschien der Band UNO AKTUELL, Sonderorganisationen und Sonderkonferenzen. 1980 der Band WELTPROBLEME, Bestandsaufnahme und Lösungsstrategien der Vereinten Nationen.

Eine weitere Publikation ist der 1986 aufgelegte Band UN-FORUM DER WELT, 40 Jahre Vereinten Nationen. Für die Bände verfasste der jeweilige Generalsekretär der Vereinten Nationen ein Geleitwort. Diese Veröffentlichungen sollen fortgesetzt werden. Sie fanden weit über Bayern hinaus Beachtung und wurden auch von der Bundeszentrale für Politische Bildung übernommen. Inhaltlich verfestigte sich in den Veranstaltungen die Tendenz zur Beschäftigung mit Themen aus dem Bereich Nord-Süd-Dialog. Die dort angesiedelten Probleme – Hunger, Flüchtlinge, Umweltbelastung, kriegerische Konflikte – finden das Interesse eines größeren Publikums und sind geeignet, Möglichkeiten und Grenzen der Weltorganisation transparent zu machen und bestehende Vorurteile gegen die Vereinten Nationen abzubauen. So sind für die Zuhörer die aufgeworfenen Fragen oftmals Anlaß, sich mehr Informationen über die Vereinten Nationen zu beschaffen oder Mitglied im Landesverband zu werden.

Auf diese Weise konnte seit Ende der 70er Jahre die Zahl der Mitglieder ständig vergrößert werden. In den letzten Jahren rückten weitere aktuelle Themenkomplexe in den Mittelpunkt der Arbeit des Landesverbandes: Die Friedensmissionen der Vereinten Nationen, verbunden mit der Frage nach der deutschen Beteiligung an den "Blauhelmen", sowie völkerrechtliche Fragen, insbesondere die Menschenrechts- und Asylrechtsproblematik und internationales Umweltrecht. Diese brisanten, auch innenpolitisch strittigen Fragen werden in fundierten Vorträgen und Seminaren behandelt, um durch Informationen die Diskussion zu versachlichen. In aktiver Pressearbeit und Informationsständen wird dann versucht, auch eine breitere Öffentlichkeit für diese internationalen Themen zu gewinnen.

Wichtig für die Arbeit des Landesverbandes ist auch der Universitätsbereich. Aufgrund von Lehrveranstaltungen über internationale Politik und Völkerrecht wird bei vielen Studenten aktives Interesse an der Arbeit der Vereinten Nationen geweckt. Die DGVN kann dann bei der Beschaffung von Material für Studienzwecke behilflich sein. Darüber hinaus werden vom Landesverband in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen jährlich Studienfahrten zu UN-Institutionen in Genf, Wien oder New York durchgeführt, um ein lebendiges Bild der Weltorganisation zu vermitteln sowie die Arbeits-und Berufsmöglichkeiten bei der UNO aufzuzeigen.

Neben der engen Zusammenarbeit mit den Universitäten pflegt der Landesverband auch Kontakte mit anderen, in ihren Zielsetzungen verwandten Organisationen. Solche Kooperationen schaffen einen größeren Zuhörerkreis bei Veranstaltungen und helfen, die knappen finanziellen Mittel möglichst effektiv einzusetzen.

Dabei handelt es sich im wesentlichen um die Evangelische Akademie Tutzing, die Akademie für Politische Bildung Tutzing, das Amerika Haus München, das Evangelische Forum München, die Forschungsstelle Dritte Welt am Geschwister-Scholl-Institut der Universität München und das Seminar für Völkerrecht an der Universität München.

Der Landesverband Bayern der DGVN ist überparteilich, unabhängig und offen für jeden, der seine Ziele unterstützen will.

Seine Mitglieder wählen in einer alle zwei Jahre stattfindenden Hauptversammlung Vorstand und Präsidium sowie Rechnungsprüfer.

Die Gesellschaft finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, steuerlich abzugsfähigen Spenden und öffentlichen Zuwendungen.

Alle Funktionsträger arbeiten auf ehrenamtlicher Basis.